Frauenlaube
Das Schloss – Winterquartier / Spuren im Schnee
Inszenierte Räume / Performance / performative Ausstellung
Manche Orte sind einfach völlig verloren. Die Zeit hat eine falsche Abzweigung genommen und alles ist dann nur noch tödlich. Wie auf einem anderen Stern. Oder Schiffsfriedhöfe in Indien. Riesige wüste rostige Landschaften. Irgendwo stehen Tanker wie Schlösser in der luftleeren Landschaft und werden von prekär beschäftigten Schlossern auseinandergeschraubt. Wenn du mir jetzt deine Treue versprichst, dann ist das gleichzeitig schon der Anfang vom Ende. Wenn du jetzt mir die Hand bedeutungsvoll reichst und das ernst meinst, dann ist das so wie wenn wir zwei zusammen eine Mausefalle aufspannen, die dann irgendwann später zuschnappt. Es riecht scheisse hier. In jedem dieser Räume. Ein bisschen anders. Ein bisschen spezifisch. Aber so dass mir gleich ganz wirre Gedanken kommen. Wie du das immer erträgst so ruhig zu bleiben und mich so in dir ruhend anzusehen und deine Stimme ist dann ganz ruhig und kalt und gelassen. Das regt mich so auf. Das kann ich dir gar nicht beschreiben. So jetzt gehe ich raus hier. In diese unattraktive mittelgrosse deutsche Kleinstadt und schaue mir an wie ein Land trauert. Immer noch. An dem Fluss, dem schnellen.
„Ein Weg des Scheiterns wird uns vorgezeichnet: „Du wirst, was auch immer du tust, nicht das erreichen, was du vor dir schweben siehst auf dem Berg da hinten“, flüstert die Frau in das Dunkel des Raumes hinein, der allein vom Störflimmern eines alten Fernsehgerätes matt erhellt wird. Dann schickt sie uns zurück in den Korridor, zurück zu den unheilvoll grollenden Klängen, die in den alten Mauern widerhallen, zurück zu den rätselhaften Bewohnern und ihren irrlichternden Geschichten, die dieses Gebäude bevölkern und uns immer weiter vorantreiben. (…) Alle analytische Nüchternheit ist schnell dahin, während man in dem Gebäude umherwandert und dabei zusehends von dem Gefühl beseelt wird, man schreite durch die Architektur gewordenen Kammern eines fieberträumenden Bewusstseins, das aus dem Zusammenwirken der Darsteller und der Installationen geformt wird.“ Inspiriert von Franz Kafkas „Das Schloss“ erweckt Theater Performance Kunst RAMPIG ein verlassenes Haus in Heidelberg zum Leben und erschafft ein „(Gesamt-) Kunstwerk, das in seiner Intensität seinesgleichen sucht“. (Mannheimer Morgen)
Ausgezeichnet mit dem Jugendbildungspreis Baden-Württemberg 2014.
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Hamlet
Mai 2013 34. Theatertreffen der Jugend, Haus der Berliner Festspiele
Und wenn dann die rasenden rollenden regen
hinter den meeresspiegel fallen
und ich über die kante des wahnsinns kippe
frage ich mich
ob es nicht dunkle milch der erlösung ist
die tropft aus den enttäuschungen
RAMPIG untersucht „Die Tragödie von Hamlet, Prinz von Dänemark“ von William Shakespeare. Den Grundstock bildet dabei das zeitgenössische Textmaterial von Christopher Kriese „ich bin nicht hamlet“, „ich bin hamlet“ und „bin ich hamlet oder bin ich’s nicht ist das ein titel oder ein gedicht“, das in dieser Inszenierung uraufgeführt wird und mit der das Kollektiv zum 34. Theatertreffen der Jugend der Bundeswettbewerbe Berliner Festspiele eingeladen wurde.
„Die Gruppe hat aus ihrem virtuosen Tanz durch die schöngeistigen Disziplinen eine Form- und Zeichensprache entwickelt, die mehr als sitzt. (…) Ihre zitierende Arbeitsweise ist mit der Gruppe gewachsen und entwickelt nun eine Schlagkraft, sie wird zur Marke. (…) Es scheint, RAMPIG hätte für das, was sie von Hamlet zu erzählen haben, ihre Theatersprache perfektioniert. Und wenn der Rausch dann vorbei ist, und wir vergeblich auf den roten Vorhang warten und statt dessen in einer Ausstellung sitzen, dann fragen wir uns, ist das ein neues Kuratieren? Kuratiert RAMPIG im Spiel?“ (Die Jury zur Auswahl)
„Vorne tobt Hamlets multipel besetzter Wahnsinn, daneben wird getanzt, in der Ecke performt, während an der Bühnenwand live ein Gemälde entsteht. Hier spielt die Musik; und Videos flimmern, die Angst und Unsicherheit assoziieren und damit psychologisch gleichwohl die Lebenssituation der Hauptfigur wie auch der rund 25 Darsteller spiegeln. Dass Rampig mit diesem bemerkenswerten „Hamlet“ im vergangenen Jahr zum Theatertreffen der Jugend ins Haus der Berliner Festspiele eingeladen wurden, ist somit kein Wunder.“ (Theater der Zeit)
„Theatrale und performative Elemente vermischen sich mit Zitaten aus Malerei und Musik (…) zu einem kleinteiligen Gesamtkunstwerk, das an seiner eigenen Ambivalenz zwischen unbändiger Stärke und sensibler Feinsinnigkeit permanent zu zerreißen droht. Diesem Spannungsverhältnis begegnet die Regisseurin mit überwältigenden, bisweilen provokativen und gar anfeindenden Bildern, die sich, nicht zuletzt dank des leidenschaftlich im Spiel aufgehenden Ensembles, zu einem grandiosen Theaterabend fügen.“ (Mannheimer Morgen)
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pest
„Das Böse in der Welt geht fast immer von Unwissenheit aus. Der gute Wille kann ebenso viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist. Die Menschen sind eher gut als böse.“ RAMPIG nutzt den literarischen Text des französischen Romans „La Peste“ von Albert Camus aus dem Jahr 1947 für eine Analyse aktueller gesellschaftlicher Missstände. Die Geschichte der von der Pest befallenen Stadt und die Schicksale ihrer Bewohner bilden die Grundlage für mehrere sich aufeinander beziehende Performances, in denen der Kampf des Menschen gegen physische und moralische Zerstörung reflektiert wird. Verstörende Bilder und Szenen decken die Sinnlosigkeit der Weltordnung auf und loten philosophische Fragestellungen aus.
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Faust Vol. 1
25 Darsteller*innen und Künstler*innen nutzen in experimenteller Art den Bühnenraum, um sich mit der Geschichte des erkenntnissuchenden Heinrich Faust auseinanderzusetzen und gleichzeitig die Konstrukte der Kultur und des Theaters kritisch zu analysieren.
Der literarische Text wurde dabei nicht nur untersucht, seine Tauglichkeit in der Gegenwart wurde unbedacht seiner Bedeutungsschwere in Frage gestellt, neu geordnet, durch zeitgenössische Texte ersetzt. Die Produktion vereint Rauminstallation, Videoperformance, Performance, Spiel und Improvisation. Die tradierten Grenzen einer Theateraufführung wurden dadurch aufgehoben: die Zuschauer*innen erwartete eine avantgarde Kunstaktion, die aus FAUSTSPIEL, FAUSTSHOP und den FAUSTORTEN bestand.
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metamorphosis
Die Inszenierung basiert auf Franz Kafkas Prosastück „Die Verwandlung“. Die Vorlage erzählt die verstörende Geschichte des Vertreters Gregor Samsa, der eines Morgens zu einem ungeheuren Ungeziefer gewandelt erwachte. In einem Labor, wo das sterile Weiß und skurrile Gegenstände die Atmosphäre bestimmen, werden die immer wiederkehrenden Strukturen des Lebens untersucht: Geburt, Sterben, Emotionalität und Sexualität, Macht und Abhängigkeit. Isoliert von den Zusammenhängen, die oft den Blick auf das Wesen der Sache versperren, wird schonungslos analysiert. Das grelle Neonlicht und die stets anwesende Live-Kamera ermöglichen den Zuschauer*innen den totalen Überblick. Sie sind von Anfang an in diesem Labor des Lebens gefangen, ein Teil der Inszenierung, ein Teil des Bühnenbildes, ein Bestandteil der Geschichte. Sie sind Zuschauer*innen und Darsteller*innen, Opfer und Täter*innen, Forscher*innen und Laborratten zugleich.
Nominiert für das 31. Theatertreffen der Jugend 2010.
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antigone
Juni 2008 zwinger1 Heidelberg
Juli 2008 4. Theatermarathon Heidelberg
Wer ist Antigone in Wirklichkeit? Ist sie eine verstaubte Figur der Antike? Ist sie eine Heldin? Oder eine Terroristin? Die Antigone dieser von Sophokles und Anouilh inspirierten Inszenierung ist ein It-Girl, mit all den oberflächlichen Manieren, hohen Stöckelschuhen und provozierend sexy Kleidern, sie ist ein junges Mädchen, über das man wöchentlich in der „Gala“ nachlesen kann. Dann gab es in ihrem Leben einen Bruch und die Chance, die Welt mit ihrer eigenen moralischen Gradlinigkeit zu verbessern.
Nominiert für das 30. Theatertreffen der Jugend 2009.
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