RAMPIG
Theater Performance Kunst

Schuld (und Sühne)

Frei nach Fjodor Dostojewski. Premiere im Oktober 2015.

Teigige alte Frauen mit Haut wie Lehm sitzen auf steinernen Bänkchen in einem schlichten, in hellem grün gefliesten Raum. Gut verteilt putzen sie ihre Körper, waschen mit kerniger Seife ihre Hautlappen und sind wunderschön. Es wird leise geredet, gelacht. Weiche Körper fließen auf die Fliesen. Sie tragen Badeschlappen aus Plastik. Ich steige die Stufen hinauf und kaure mich zwischen die nackten Alten. Ihre Sprache spreche ich nicht. Hitze wabert durch die Luft. Vor mir verschmelzen die braunen Leiber zu einem erdigen Klumpen, der mich freundlich umschließt, während nasse Birkenzweige auf meinen heißen Körper treffen. Wir. Reinigen. Unsere. Seelen. Wir. Beseitigen. Überwinden. Differenzen. Ein paralleles Universum. Eiswasser über unsere Köpfe. Hornhaut wird geraspelt. Wärme in unseren Körpern. Friedliche Geschäftigkeit überall. Dann bricht alles zusammen. Die einfach konstruierte Decke löst sich und bricht auf eine der duschenden Frauen nieder. Trifft sie an ihrem Kopf. Lüftungsschläuche winden sich metallisch. Quadratische Platten fallen. Zu gleichen Sekunde drei Teetassen. Der Boden der grünen Waschhalle mit Scherben und Tee befleckt. Wasser färbt sich bräunlich rot. Die getroffene Alte kommt langsam wankend aus den Trümmern ihrer Welt hervor. Traurig blitzen die Augen. Im Nebenraum wehen rosa Vorhänge im Wind.